Auszuge aus dem Reisebericht "Laos" von Sylvi und Wilm- treffend formuliert!
Der Verkehr ist indisch, das Baguette französisch. Laos selbst überrascht uns im Norden mit saftigem Dschungel und einfachsten Hütten am Straßenrand. Rotzverschmierte Kinder jeden Alters schlagen Reisbüschel auf den Straßen aus, Greise tragen kiloweise Feuerholz auf dem Rücken. Wir fahren bis kurz vor die chinesische Grenze im Norden bei Muang Sing und besuchen die Bergvölker, unter anderem das Bergvolk der „Akha“. Die Zeit ist stehen geblieben: Frauen spinnen den Faden fürs spätere Weben beim Nachhausebringen der Kühe, die Männer bauen gemeinschaftlich Holzhäuser, Schweine rennen uns durch die Beine.
Mitten auf der Dorfstraße läuft, nein, torkelt uns ein Kälbchen entgegen. Die Nabelschnur zieht es hinter sich her. Frisch geschlüpft also. Denn bergauf finden wir einen offenen Stall, die Mutterkuh ruft nach dem Kälbchen, dass sich in seinen ersten Lebensminuten bereits das Dorf anschaut. Einer älteren Frau des Stammes der „Lolo“ erkläre ich mit Hand und Fuß, dass ihr Kalb abgehauen ist, während Wilm es versucht, zur Mutterkuh zu bringen. Die Alte bindet fix ihre restlichen Kühe an, die bereits den Heimweg antraben und lacht lauthals los, als Wilm mit Babymuh um die Ecke biegt. „Kop dschai lailai, kop dschai lailai“ – Danke sagend und tränen-lachend nimmt sie den Ausreißer in Empfang und bindet es an die Mutter. Ein herziges Erlebnis, das mir das Wasser in die Augen treibt.
Von Luang Namtha wollen wir in den Süden, die Route führt uns über Luang Prabang. Eine Stadt am Mekong, die uns abends mit Kerzenschein und Dämmerlicht begrüßt. Die Atmosphäre erinnert ans Flanieren auf dem Dresdner Stadtfest, aber gelassener. Bei Pizza und kaltem Bier vergessen wir fast, wo wir sind. Nämlich in einem der ärmsten Länder der Welt. Einem Entwicklungsland. Die Touristen, die im 4 Sterne Restaurant (ja, so etwas gibt es hier) speisen, das I-phone auf dem Tisch liegen haben und den feinen Zwirn am Hintern, scheinen dies allerdings vergessen zu haben. Sie halten den Mönchen, die allmorgendlich gegen 6 Uhr ihren Bettelgang durch die engen Gassen der Stadt machen, um sich Reis in ihre Schalen füllen zu lassen, ihre Kameras ungeniert ins Gesicht. Die Laoten bitten um dezentes Fotografieren. Aber Hauptsache: gutes Foto. Wir genieren uns für die „Westler“, die ihre Manieren im Eichenschrank zu Hause vergessen haben. Der Grund für den Ansturm der Reisegruppen „Fröhlich“ so hören wir: Aus Angst vor Demonstrationen werden ehemalige Thai-Touristen nach Laos umgebucht. Helga und Erich aus Hamburg flanieren doch lieber in Laos als im „gefährlichen“ Bangkok. Zwischen den Städten wird geflogen, man will ja nicht die Armen sehen. Man hat ja schließlich Urlaub. http://www.wilt-style.de ________________________________________________________ zurück